Landwirtschaft als Senke oder Quelle von CO2 ?

Das Agrarfachmagazin „Top-Agrar“ von Landwirtschaftsverlag Münster ist mit einer Auflage von ca. 100.000 Exemplaren eine der führenden Lektüren wenn es um Informationen und wissenwertes rund um das Thema Landwirtschaft geht.

Hintergrund:
So wurde auch die Frage erörtert, ob die Landwirtschaft in Summe eine CO2 – Quelle ist oder ob sie als CO2-Senke gelten kann. Dazu gab es im September letzten Jahres (9/2021) einen Artikel über den KUL-THG-Bilanzansatz (Kriterien Umweltverträglicher Landwirtschaft) von Prof. Dr. Gerhard Breitschuh, welcher zu dem Schluss kommt, dass die Landwirtschaft in Summe als Kohlenstoffsenke zu betrachten ist, da sie mehr CO2 bindet als sie ausstößt.
Grund für diese These ist die Verrechnung der in der Biomasse der Ackerkulturen und des Grünlandes gebundenen Menge an CO2, welche als Gutschrift für den Landwirt*In in die Rechnung eingeht. So wird in der Landwirtschaft auch nach Einbeziehung von Treibhausgas – Emissionen, beispielsweise durch den Diesel- und Düngereinsatz, mehr CO2 gebunden als ausgestoßen.

Ein schöner Ansatz,
der auf den ersten Blick vielleicht suggeriert, dass wir helfen den Klimawandel zu begrenzen, indem wir größere Mengen an Biomasse, also Kulturen, auf unseren Feldern anbauen.
Natürlich betont Prof. Dr. Breitschuh, dass es nach wie vor das Ziel sein muss unnötige Emissionen einzusparen und Mineraldünger effizient zu nutzen. Aber er sieht auch in der Bindung des CO2 durch die Kulturen eine Wertschöpfung, die nicht ignoriert werden sollte. Die KUL-THG Bilanzierung findet in der Beratung landwirtschaftlicher Betriebe in Thüringen seit über 25 Jahren Verwendung und wurde auch schon von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft genutzt.

Problematisch
wird diese Rechnung, wenn wir uns unsere nationalen Standards ansehen und feststellen, dass die Landwirtschaft nach Kalkulationen des Thünen Instituts im Jahr 2020 für etwa 8,2 % der nationalen Treibhausgasemissionen verantwortlich war. In deren Berechnungen wird nur das CO2 gutgeschrieben, welches länger als 20 Jahre gebunden werden kann, also Dauerhumus in oder Bindung durch Gehölz.

In der Januar Ausgabe des neuen Jahres wurde das Thema nochmals aufgegriffen: Nach vielen In der Januarausgabe des neuen Jahres wurde das Thema nochmals aufgegriffen. Nach vielen Rückmeldungen zum Artikel aus dem Vorjahr gibt es jetzt eine Gegenüberstellung der beiden Standpunkte, vertreten von Prof. Breitschuh auf der einen und Prof. Dr. Andreas Gattinger auf der anderen Seite, welcher sich gegen den KUL-THG-Bilanzansatz ausspricht. Herr Prof. Dr. Andreas Gattinger hatte schon im November letzten Jahres einen entsprechenden Kommentar an das Magazin verfasst.

Gattinger stellt klar: Diese Art einen CO2-Saldo zu berechnen stößt in der Wissenschaft auf keine breite Anerkennung. Dabei bezieht er sich auf Standards, wie das BEK (Berechnungsstandard einzelbetrieblicher Klimabilanzen) oder die Auswertungen des Thünen Instituts, welches auch das Treibhausgas-Inventar für Deutschland berechnet.

Fazit
Letztlich verfolgen beide Ansätze das Ziel die Emissionen in der Landwirtschaft zu senken und den Einsatz von Düngemitteln so effizient wie möglich zu gestalten – das ist sehr wichtig. Dennoch sind wir auf Seite von Prof. Dr. Gattinger: Wir befinden uns in international sowie national abgesprochenen Regelwerken zur Bilanzierung von Treibhausgasen und sollten allein deswegen davon absehen den kurzfristig gebundenen Kohlenstoff in unseren Saldo aufzunehmen. Außerdem finden wir, dass es ein falsches Signal an die Landwirtschaft setzt, da es klar sein muss, dass wir auch in der Landwirtschaft eine Treibhausgas-Quelle sind und unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten sollten.

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