Regionale Landwirtschaft ist Klimaschutz

Was bedeutet Klimaschutz in der Landwirtschaft?

Die Landwirtschaft nimmt im Bereich des Klimaschutz eine Sonderrolle ein. Die größten Emissionen kommen nicht aus fossiler Energie (CO2) sondern hängen mit der Bearbeitung des Bodens (N2O) und der Tierhaltung (CH4) zusammen.
Diese Emissionen können verringert werden, aber nicht ganz abgestellt – wie es im Bereich der Emissionen aus fossilen Energieträgern der Fall ist.
 
 
 
Es liegt in unserer Hand
Um ein globales Problem wie den Klimawandel zu stoppen müssen wir auch unseren Konsum global denken.

Ist weniger Landwirtschaft = Weniger Emissionen?

Die Rechnung der Europäischen Union über den Green Deal mehr Flächen stillzulegen und generell einen höheren Anteil an Bio-Betrieben in der Landwirtschaft zu haben muss nicht bedeuten das wir etwas für das Klima auf unserem Planeten getan haben.

In einem globalen Wirtschaftssystem wird immer die Nachfrage das Angebot bestimmen. Das heißt, wenn Europa weniger Lebensmittel produziert werden die fehlenden Produkte aus dem Ausland importiert. Man spricht hierbei von sogenannten Leakage Effekten.

Der Begriff „Leakage“ stammt aus dem englischen und bedeutet wörtlich „Abfluss“. Der gesamte Term nennt sich Carbon Leakage – also Kohlenstoff Abfluss. Damit ist die Verlagerung von CO2-Emissionen innerhalb des EU-Emissionshandels gemeint. 

Konkret bedeutet das, dass wir in der Berechnung unserer Emissionen nach dem „terretorial-Prinzip“ rechnen. Also wir schauen welche Emissionen innerhalb Europas auftreten. Wenn wir Güter oder Rohstoffe aus anderen Ländern importieren, werden die Emissionen zur Herstellung dem jeweiligen Ursprungsland zugerechnet.

So wäre es theoretisch möglich für den Sektor Landwirtschaft die Europäische Union CO2-Neutral zu rechnen, indem man die Landwirtschaft hier einstellt und stattdessen alle Lebensmittel aus dem EU-Ausland importiert.

Die Produktion von Lebensmitteln im Ausland ist in den meisten Fällen klimaschädlicher als die Urproduktion hier in Deutschland. Als Beispiel liegt der durchschnittliche Fußabdruck für Milch in Deutschland bei 1,1 kg CO2ä pro kg, während der globale Fußabdruck bei 2,4 kg CO2 pro Liter Milch  liegt (Quelle: FAO 2010).

Neben dem höheren Fußabdruck, wird im Ausland auch unter anderen gesetzlichen Rahmenbedingungen produziert. Das führt dazu, dass wir als Bürger Früchte und Lebensmittel essen, welche mit in der EU verbotenen Spritzmitteln behandelt wurden. Wenn Sie mehr zu dem Thema erfahren möchten lesen Sie hier weiter.

Deutschland und die EU gehören zu den Standorten mit den höchsten Standards für Tierwohl und den Erhalt von Arten- und  Pflanzenschutz weltweit.

Durch facettenreiche Agrarumweltförderungen und strenge Richtlinien für den Einsatz von Pestiziden sind unsere heimischen Lebensmittel im Vergleich zu Produkten aus anderen Ländern weniger belastet und besitzen einen geringeren CO2-Fußabdruck. Darüber hinaus ist die deutsche Landwirtschaft hochtechnisiert, wodurch Ressourcen geschont werden

Landwirtschaft = Klimaneutral ?

Der Anspruch der Landwirtschaft – klimaneutral zu wirtschaften ist irreführend.

In einem biologischen System werden gleichzeitig Emissionen erzeugt und Kohlenstoff gespeichert. Diese Quellen und Senken-Funktion ist auch der deutschen Regierung bekannt, weshalb die Landwirtschaft innerhalb des Klimaschutzgesetzes als einziger Sektor im Jahr 2045 weiterhin insgesamt 41 Millionen Tonnen CO2ä ausstoßen darf (siehe auch Rahmenbedingungen).

Das hängt mit der oben erwähnten Sonderstellung zusammen. Methan (CH4) und Lachgas (N2O) lassen sich nicht wie fossiles CO2 ersetzen, lediglich verringern.

Wenn in der Werbung mit klimaneutraler Milch oder anderen Lebensmitteln geworben wird, ist es meist eine Verrechnung von Emissionen auf der einen Seite und Einlagerungen durch Humusaufbau oder Kompensation über sogenannte CO2-Zertifikate.
→ Landwirtschaft kann nicht ohne kompensation klimaneutral sein

In aller Regel sind die CO2-Fußabdrücke, welche sich auf die Fläche beziehen, bei ökologisch wirtschaftenden Betrieben besser als bei den konventionell wirtschaftenden Betrieben.
Schaut man sich Klimabilanzen an, die als Bezugsgröße die Produktmenge annehmen, liegen wiederum die konventionell wirtschaftenden Betriebe meist vorn.

An dieser Stelle ist es uns sehr wichtig zu erwähnen, dass wir das gemeinsame Problem des Klimawandels und die damit verbundenen Auswirkungen nur gemeinsam lösen können.
Wir brauchen einen Schulterschluss zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Betrieben und keine Distanzierung.
Am Ende verbindet uns die Liebe zu unserer Arbeit und der Landwirtschaft.

Die Werbeindustrie hat schon lange die Wirksamkeit von Aussagen zum Klimaschutz erkannt und für sich zu nutzen gewusst. Wir als Bürger haben ein natürliches Interesse daran umweltschonende Produkte zu kaufen.
Dieser gute Ansatz wird nur oft durch Beschreibungen wie „klimapositiv“ verdreht. Im groben  werden bei solchen Produkten mehr Ausgleichszertifikate von der Firma gekauft als nötig, sodass mit jedem Kauf ein imaginärer CO2-Wert gutgeschrieben wird.

Als Kund*In sollte man sehr skeptisch gegenüber diesen Labels und Aussagen sein. Die Begriffe „Klimaneutral“ und „Klimapositiv“ sind nicht geschützt oder reglementiert, genau wie der Handel mit CO2-Zertifikaten. Unternehmen wie „GoldStandard.org“ versuchen den Handel und die Verantwortlichkeit so transparent wie möglich zu gestalten, aber es gibt keine internationalen Gesetze zu diesem Thema.

Mit dem Wissen um die Komplexität von Emissionen im Sektor Landwirtschaft und der breiten Palette von Produkten und Angeboten zum Thema „Klimaschonender Konsum“ kann man als Bürger*In schnell überfordert sein.

Wichtig ist zu verstehen, dass jegliche Art von Produktion einen CO2-Fußabdruck nach sich zieht. Mit diesem Wissen sollte man seinen Konsum überdenken und möglichst nachhaltig einkaufen.
Für die Landwirtschaft ist es von Bedeutung zu verstehen, dass Landwirtschaft neben der Produktion von Lebensmitteln auch andere Ökosystemleistungen erbringt.
Um die hiesige Landwirtschaft zu unterstützen können wir als Bürger*Innen saisonal und regional einkaufen.

Während Pakete klimaneutral versendet werden können, ist das in der Landwirtschaft nicht so einfach möglich.

Regionale Landwirtschaft = Klimaschutz

Mit der Stärkung der regionalen Landwirtschaft in Deutschland sorgen wir für kurze Lieferketten und unterstützen die effiziente und damit auch klimaschonende Herstellung von Lebensmitteln direkt vor unserer Haustür.

Darüber hinaus prägt die Landwirtschaft unsere Natur schon seit tausenden von Jahren und sorgt dafür, dass Wiesen und Äcker als Landschaftselemente erhalten bleiben, wodurch bestimmte Tierarten erst heimisch werden konnten. Landwirt*Innen bewirtschaften auch Naturschutzflächen und helfen so Biotope zu pflegen und zu erhalten.

Zuletzt ist die bäuerliche Landwirtschaft sowohl die generelle Basis einer jeden Zivilisation als Produzent von Nahrungsmitteln aber auch ein Kernelement im ländlichen Raum. Vom Hofladen hin zu Blühstreifen und Weiden definiert sie unser Naturerleben.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema lesen möchten gibt es hier eine Broschüre von Naturkapital Deutschland (2016) zum Thema Ökosystemleistungen in ländlichen Räumen.

Wie erwähnt haben wir als Bürger*Innen die Macht globale Handelsketten zu steuern.
Dazu Bedarf es unserer Courage proaktiv einzukaufen und Regionalität an erste Stelle zu stellen.

Die Umweltschäden welche durch unseren Konsum von billigen Lebensmitteln entstehen werden in einem globalen System wieder auf uns zurück fallen. Durch bewussten Konsum und die Reduzierung von tierischen Produkten können wir einen Schritt in eine klimaschonende und biodiversitätsfördernde Welt gehen.