Neue Initiative „KlimaBauer“ gestartet

Das Wort des Jahres 2021? 
Die Wahl fällt schwer. Wohlmöglich wird der Sieger des letzten Jahres „Corona“ diesmal von einer weiteren globalen Bedrohnung abgelöst: „Klima-Wandel“

So lassen sich in letzter Zeit viele Abhandlungen dieses Begriffes in jedweder Art wiederfinden. Vom klimaneutralen Versand hin zu dem klimafreundlichen Shampoo.
Wir haben Klimagipfel, ein Klimakabinett und eine Klimakanzlerin – jetzt haben wir auch den KlimaBauer.

Das Projekt, in die Wege geleitet durch die Andechser Molkerei, verspricht mit aussagekräftigen Bildern und eingänglichen Kurzvideos eine nachhaltige humusfördernde Landwirtschaft.

Ein guter Plan

Zuerst wird eine IST-Aufnahmeder Betriebe vorgenommen, wobei die Potenziale zur Emissionseinsparung und zum Humusaufbau „sachverständig geschätzt“ werden. Die Molkerei zahlt so einen Vorschuss für jede aufgebaute Tonne CO2. Danach gibt es jährliche Treffen, bei denen das Projekt und die Umsetzung der Maßnahmen kontrolliert werden.
Das Projekt läuft 5 Jahre, nach 2 Jahren wird eine Zwischenbilanz gezogen. Insgesamt nehmen 70 Landwirte an dem Projekt teil. Für mehr Information kann man hier im Pressebereich der Webseite nachlesen
 
Die einzelnen Arbeitsschritte klingen kompetent und umfangreich. Berechnungen und Einschätzungen werden von dem Institut für nachhaltige Ernährung und Landwirtschaftssysteme (agroecology.science) überprüft und in einen Aufsichtsbericht überführt. Bei der Berechnung der Grundlage (IST-Situation) arbeitet auch das FIBL-Ö mit.

Positive Meldungen und Glückwünsche kommen vom BUND-Naturschutz (Bayern) und Vertretern aus der Wissenschaft, mit Schwerpunkt auf ökologische Wirtschaftsweise.

Auch der schweizer Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Urs Niggli ist stark involviert: Er arbeitete die letzten 30 Jahre im FIBL-Ö und gründete dann 2020 das oben genannte Institut für nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme, welches neben Ihm und seiner Tochter noch ein weiteres Mitglied beschäftigt.

Kontroverse um Begriff – KlimaBauer

Grundsätzlich ist die Idee, eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern, etwas gutes und sollte unterstützt werden. Gleichzeitig muss aber auch erwähnt werden, dass die Andechser Molkerei einen großen Fokus auf das Marketing des Projekts und der damit verbundenen Produkte legt.
Die Fronten zwischen ökologisch wirtschaftenden Betrieben und konventioneller Landwirtschaft sind teils polarisiert und mit Vorurteilen gegenüber beiden Seiten geladen.
„Heißt das jetzt im Umkehrschluss wenn ich kein ‚KlimaBauern‘ bin, dann bin ich ‚Anti-KlimaBauer‘?

Die Suche nach Lösungen wird schnell vereinfacht und medial weiss gewaschen. Die Wahrheit ist oft komplexer und lässt sich nicht auf ein Schlagwort runterbrechen.
Wichtig ist festzuhalten: Die ökologische Landwirtschaft hat nicht die Produktionskapazität um die aktuelle Nachfrage nach Lebensmitteln zu decken.
Um die Bevölkerung weiterhin zu ernähren benötigt es die gesamte Landwirtschaft.
So sollten wir auch gemeinsam an Lösungen und Strategien arbeiten, denn die Agrarstruktur wird sich in den nächsten Jahren verändern und wir werden uns auf die neuen Herausforderungen des Klimawandels einstellen, sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaftend.

Von daher ist es etwas fragwürdig mit einer großen Kampagne den Titel des „KlimaBauern“ auszurufen um damit die Bevölkerung mit dem Modewort Klima anzusprechen, aber den Druck auf die anderen Landwirte unweigerlich noch größer zu machen.

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